Lesung von Bernd Wagner an der Uni Kiel
18. Juni 2009 – Als die Veranstaltung begann, war der Hörsaal zu gut zwei Drittel gefüllt. Der stellv. Landesvorsitzende Thorsten Albrecht begrüßte den Referenten Bernd Wagner sowie Steffen Liebendörfer, der als Vertreter des RCDS Bundesvorstands nach Kiel gekommen war, um Grüße aus Berlin zu überbringen und gemeinsam mit uns 20 Jahre Mauerfall und 20 Jahre friedliche Revolution zu würdigen. Wagner las aus seinen niedergeschriebenen Erinnerungen an die Wende 1989. Er sprach dabei von den beklemmenden Gefühlen der Angst und Ungewissheit vor dem, was diese sich ankündigende Wiedervereinigung der zwei deutschen Staaten für ihn bedeuten könnte.
Er beschrieb die Sorge, daß jene repressiven und unfreien Elemente, vor denen er aus der DDR nach West-Berlin geflohen war und denen er sich so zu entziehen gehofft hatte, sich nun nahtlos mit dem freien Westen verbinden und diese „Insel der Freiheit“ für immer zerstören könnten. Wagner sprach über seine Ängste und Zweifel zu dieser Zeit.
Wagners Vortrag in seiner Vielfalt wiederzugeben, wäre zwar durchaus angemessen, würde aber deutlich den Rahmen eines kurzen Berichts sprengen. Das Publikum war altersmäßig bunt gemischt. Der Schriftsteller vermochte auch den jungen Zuhörern die bewegenden Momente zur Zeit des Mauerfalls eindrucksvoll zu vermitteln.
Die anschließende Aussprache war geprägt von kritischer und emotionaler Diskussion. Ein jüngerer Zuschauer erkundigte sich beispielsweise, warum es einigen Kritikern des Regimes möglich war auszureisen, während andere inhaftiert wurden.
Bernd Wagner antwortete und nahm Anregungen bereitwillig auf. Er berichtete von seinen Erfahrungen mit den Methoden der Stasi, die bedarfsgerecht von subtilen Mitteln wie Einschüchterung, Korrumpierung, Verleumdung oder Beeinflussung bis hin zu Gewaltakten reichen.
Wagners Bericht vom abenteuerlichen Herstellungsverfahren der regimekritischen Zeitschrift Mikado, die in einer Behörde hektographiert wurde und sowohl als Rohmaterial hinein-, wie auch als fertiges Produkt an wachhabenden Pförtnern wieder herausgeschmuggelt werden musste, erinnert unterschwellig an eine beklemmende Szene aus George Orwells „1984“. In dieser muß Winston, der Hauptakteur des Romans, seine Aktentasche unauffällig an den allsehenden Augen der Teleschirme vorbeischleusen, um später mit den geschmuggelten Utensilien heimlich sein Tagebuch beginnen zu können.
Ältere Zuschauer, teilweise Gründungsmitglieder demokratischer Bewegungen in der DDR oder auch einfache ehemalige DDR-Bürger, äußerten ihre Verbitterung über die gegenwärtig viel zu oft unwidersprochenen Versprechungen alter und neuer sozialistischer „Weltretter“ in der Öffentlichkeit, deren Ideen in Wahrheit genauso neu, innovativ aber vor allem solide sind wie der letzte Fünfjahresplan der SED vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch der DDR.
Mit einigen Zitaten von Michael Klonovsky (Focus) beendete Thorsten Albrecht den offiziellen Teil der Veranstaltung. Beim abschließenden Imbiss konnten sich die Gäste mit Bernd Wagner austauschen und sein Buch „Die Wut im Koffer“ erwerben.
Wir danken Subway für die Bereitstellung von Sandwiches und der Flensburger Brauerei für das Flensburger Wasser in Plopp-Flaschen, die wir unseren Gästen kostenlos anbieten konnten.















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