Stellungnahmen für den Bildungsausschuss des Landtags SH
Stellungnahme des RCDS Schleswig‐Holstein zum geänderten und erweiterten Antrag der Fraktion Die Linke, Drucksache 17/54 und zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Drucksache 17/28:
Stellungsnahme zum Antrag der Landtagsfraktion „Die Linke“:
Punkt 1 in 17/54: Schüler, Auszubildende und Studierende profitieren von einer möglichst
individuellen Förderung, die möglichst frühzeitig einsetzen sollte. Das gilt für
leistungsschwache, durchschnittliche und besonders begabte Schüler, Auszubildende und
Studierende gleichermaßen. Vor diesem Hintergrund ist es geboten, im Rahmen der
Möglichkeiten ein möglichst diversifiziertes und gegliedertes System anzubieten.
Dazu rät der RCDS, die jeweiligen Leistungsgruppen gezielt zu fördern und durch speziell
ausgebildete Lehrkräfte, wie schon z.B. in der Hochbegabtenförderung der Schulen
praktiziert, zu organisieren. Dabei fordert der RCDS eine vielfältige Bildungslandschaft zu
erhalten, die den Eltern, Schülern und Studenten verschiedenartige Angebote und
Schulformen zur Verfügung stellt. Nur durch freie Wahl der persönlich präferierten
Schulform kann die volle Leistungsmotivation freigesetzt werden. Durch ein Aufzwängen von
Bildungswegen wird die Motivation gesenkt und führt zu schlechteren Ergebnissen der
Schüler.
RCDS: Für den Lehrerberuf fordern wir eine leistungsgerechte Bezahlung. Das heißt, dass
Lehrer nicht wie bisher mit steigendem Alter automatisch Gehaltserhöhungen zugesprochen
bekommen, sondern der innerschulische Wettbewerb zwischen den Lehrkräften gefördert
wird, um somit zu höherer Leistung zu motivieren. Dabei sollten Lehrer, die besonders
positiv auffallen, mehr Freistunden als bisher, für z.B. Projektarbeit, zugeteilt bekommen.
Lehrkräfte, die sich besonders engagieren und hervortun, müssen durch deutlich höhere
Gehälter profitieren als Lehrkräfte, die keine zusätzliche Motivation zeigen. Durch die von
uns aufgezeigte Umstrukturierung kann eine leistungsgerechte Entlohnung im Schulsystem
eingeführt werden. Durch die Umstellung auf ein leistungsbasiertes Entlohnungssystem wird
eine Verbesserung des Lehrangebots gefördert.
Punkt 3 17/54: Die Vorschläge, das ehrenamtliche studentische Engagement in Asten,
Fachschaften oder anderen Gruppen und Einrichtungen innerhalb wie außerhalb des
universitären Lebens als der Studienleistung gleichwertig anzusehen und in die Bewertung
der universitären Leistungen einfließen zu lassen, halten wir nicht für sinnvoll. Längere
Anrechenzeiträume für hochschulpolitisch engagierte Studenten sind im Sinne der
Förderung ehrenamtlichen Engagements durchaus angebracht, dies wird beispielsweise
schon durch Anrechnung auf die Fachsemesterzahl von Studierendenparlamentsmitgliedern
praktiziert.
Da die Bachelor‐Studiengänge zu restriktiv in der Fächerauswahl und mit zu absolvierenden
Klausuren überladen sind, sollte hier angesetzt werden und der Bachelor‐Studiengang
flexibilisiert werden. Wir fordern ein dem Diplom‐Studiengang entsprechendes „Bachelor‐
Grundstudium“ und darauf aufbauend die freie Fächerwahl nach z.B. drei Semestern.
Punkt 4 17/54: Die Abschaffung von Magister‐ und Diplomstudiengängen wird landläufig als qualitativer Verlust für die akademische Ausbildung wahrgenommen. Die Ideen hinter den Bologna‐Reformen sind jedoch gut und es wäre angebracht, die erfolgreiche Umsetzung
gründlich zu evaluieren und sich dann, statt erneut Systemdebatten anzufachen, in enger
Zusammenarbeit mit den Hochschulen und den Studierenden auf die Sicherung der
Lehrqualität zu konzentrieren. Bislang weist die Umsetzung des Bologna‐Prozesses vielfältige
schwerwiegende Mängel auf. Der starke Anstieg von Studenten mit psychologischen
Problemen kann teilweise diesem schlecht durchgeführten Systemwechsel zugeschrieben
werden.
Punkt 5 17/54: Der sogenannte Bildungsstreik ist eine organisierte Form massenhafter
Leistungsverweigerung. Grundsätzlich halten wir dieses Mittel des Protests für
unangemessen und außerdem nicht für hilfreich um die Probleme der Studierenden mit den
Unwägbarkeiten der universitären Ausbildung zu lösen. Die berechtigte Kritik der
Studierenden an den Lehrbedingungen wird durch dieses Spektakel ziellos randalisiert und
darum unnötigerweise mit dem Anschein des Unseriösen beschlagen. Zumal linksradikale
Gruppen nicht nur von Anfang an um inhaltliche Einflussnahme auf die Protestbewegung
bemüht waren, sondern jetzt auch eine weitere Steigerung des Krawalls fordern, der auch
lernwillige Studenten im Lern‐ und Lehrbetrieb beeinträchtigt, muss eindeutig die Sicherung
des Lehrbetriebs im Zentrum der Bemühungen stehen.
Anmerkungen
Abs.1: Zustimmung des RCDS
Abs.2, S.1, S.2: Zustimmung des RCDS
Abs.2, S.3, S.4: Wie aus unserer Antwort zu den Punkten 1‐5 des Antrags 17/54 in
Kombination mit den Antworten zu dem Antrag 17/28 hervorgeht, fordert der RCDS eine
freiwillige Wahlmöglichkeit der Eltern und der Kinder, um für sich die passende Schulform zu
wählen.
Abs.2, S.5: Selbstverständlich sollte das Ehrenamt gestärkt und gefördert werden, wir bitten
die Landtagsfraktion „Die Linke“ daher konkrete Vorschläge zur Ausgestaltung der
„angemessenen Anerkennung“ zu unterbreiten.
Der RCDS wünscht sich von der Fraktion „Die Linke“, konkrete Vorschläge zur Verbesserung
des Schul‐ und Universitätssystems aufzustellen und uns diese bekannt zu machen. Die
groben Leitlinien des Antrags 17/54 lassen keine konkreten Handlungsempfehlungen
erkennen.
Stellungnahme zum Antrag der Grünen Landtagsfraktion
Punkt 1 17/28: Eine Verbesserung der Lehrbedingungen an den Hochschulen des Landes ist ein dauerhaftes Anliegen der Studierendenschaft und verdient volle Unterstützung. Eine
Einbindung der Studierendenschaft in die Gestaltung der Bildungslandschaft ist grundsätzlich
zu empfehlen.
Punkt 1 („Verbesserung der aktuellen Situation“):
RCDS: Bei dieser Forderung wird im Unklaren gelassen, was genau verbessert und vor allem wie
dies erreicht werden soll. Um diesen Forderungen nachzukommen, sollte von der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ ein
Anforderungskatalog vorgelegt werden, in dem gleichzeitig die Schritte zur Erreichung des
jeweiligen Ziels aufgezeigt werden. Eine Verbesserung könnte (1) durch Eigeninitiative erreicht werden, indem Eltern, Schüler
und Lehrkörper freiwillig Leistungen erbringen, oder (2) durch die Zuteilung von mehr Mitteln.
Der RCDS setzt sich für eine Kombination von (1) und (2) ein. Die Situation der
Landesfinanzen ist zu berücksichtigen. Die Investition in Bildung ist Grundlage für zukünftige
Generationen durch besser ausgebildete Schüler und Studenten (siehe OECD,
Bundesbildungsbericht, etc.).
Punkt 2 („für mehr Mitbestimmung“): Die Beteiligung der Vertreter der
Studierendenschaften an hochschulpolitischen Prozessen ist grundsätzlich sinnvoll. Zu klären
wäre, inwieweit diese Forderung bereits durch bestehende Verfahrensweisen erfüllt ist.
Unklar ist bei dieser Forderung, was unter Mitbestimmung verstanden wird und wie dies
erreicht werden soll. Hier wurden ebenfalls keine detaillierten Forderungen gestellt, sondern
nur die vage Forderung nach „mehr Selbstbestimmung“. Wir fordern daher die
Landtagsfraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ auf, dies zu konkretisieren und klare
Forderungen vorzubringen.
Stand: Bisher haben das Studierendenparlament und die Gremien der Studierendenschaft
faktisch keinen Einfluss auf die Ausgestaltung der universitätsinternen Entscheidungen. Das
Studierendenparlament kann nur Gelder an Fachschaften verteilen und nützt den
Studierenden direkt, indem es verschiedene Beratungsleistungen bereitstellt. Dies wird aus
den Einnahmen des Asta‐Beitrags der Studierenden selbst finanziert. Die einzelnen
Gremienmitglieder (innerhalb der Gremien der Universität) haben keinen nachhaltigen
Einfluss auf Entscheidungen der Universität. Daher ist das Studierendenparlament nur
unzureichend mit Befugnissen ausgestattet.
Punkt 3 17/28: Der RCDS befürwortet eine von der Politik unabhängige Entfaltung der
Schulen und Universitäten. Zu beachten ist dabei, dass z.B. die Grünen in Hamburg gerade
dies nicht zugelassen haben, indem sie das marode Hamburger Bildungssystem von Grund
auf verändert haben und dabei keinen Raum für freie Entscheidungen ließen. Diese von
oben verabreichte Systemeinheit wirkt selbstverständlich einer freien Entfaltung der
Bildungseinrichtungen entgegen. Somit fordern wir die Grünen auf, selbst den Grundstein
für eine freie Entfaltung zu legen.
RCDS: Wir begrüßen diese Forderung, aber wünschen uns dann von den Grünen ebenfalls
wie oben exemplarisch geschildert eine selbstständige Einhaltung des Geforderten.
Wir stimmen einer freien Entfaltung der Schulen zu und würden es begrüßen, wenn diese
selbstständig entscheiden könnten, welches System sie übernehmen und auf welche
innerschulischen Schwerpunkte gesetzt wird.
RCDS: Wir fordern eine klarere mathematisch naturwissenschaftliche Ausrichtung der
Bildungslandschaft.
Punkt 4 17/28: Die Einbeziehung der Studierendenschaft in die Gestaltung der universitären Strukturen und Prozesse ist grundsätzlich eine gute Idee.
Anmerkungen:
Abs.1, S.1: Siehe Antwort zu Punkt 3 17/28. In Hamburg wurde eben diese Forderung durch
die Fraktion der Grünen in der Hamburger Bürgerschaft unterbunden und hat zu starken
Protesten der Hamburger Bürger geführt, die sich nicht von der Politik ein bestimmtes
Schulsystem aufzwingen lassen wollen.
Abs.1, S.2, S.3: Zustimmung des RCDS. Siehe auch: Punkt 1 17/28 ‐ Punkt 2.
Abs.2: Sicher ist das System verbesserungswürdig. Zu beachten ist dabei aber auch, dass die
Grünen beim Bologna‐Prozess als Bundestagsfraktion entscheidenden Einfluss auf die
Ausgestaltung und Umsetzung des Bachelor‐Systems genommen haben.
Der RCDS fordert die Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ auf, konkrete Vorschläge zur
Verbesserung des Schul‐ und Universitätssystems aufzustellen und uns diese bekannt zu
machen. Die groben Leitlinien, die der Antrag 17/28 erkennen lässt, sind unzureichend, um
konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.
Für den Landesverband verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,
Thorsten Albrecht
(Landesvorsitzender)






